Pokémon Let’s Go Pikachu – Ich will mehr!

Man nehme ein altbekanntes Spiel und portiere es für eine aktuelle Konsole. Dazu die Prise einer Mobile-App und es entsteht Pokémon Let’s Go Pikachu! Warum ich die initialen Kritiken an dieser gelungenen Fusion für überzogen halte, erkläre ich euch in dieser Rezension. Pika pika!

Quelle: pokemonletsgo.pokemon.com

Auf die Story und das allgemeine Pokémon Gameplay einzugehen, erscheint mir an dieser Stelle sinnfrei. Wer die Pokémon Reihe nicht kennt, sollte das ganz dringend ändern und entweder mit einer der alten Retro-Editionen oder den neuen Switch Spielen in die Welt der Pocket Monster eintauchen.

Vor dem Release der beiden Spiele „Let’s Go Pikachu“ und „Let’s Go Evoli“ wurde vor allem die Migration mit dem Mobile Game „Pokémon Go“ kritisiert. Statt einen Pokéball nur auszuwählen und darauf zu hoffen, dass das jeweilige Monster sich nicht befreit, muss man nun selber Zielen und je nach Controller-Wahl den Ball sogar selber werfen. Dieses Prinzip ist in „Pokémon Go“ Gang und Gäbe und wurde meiner Meinung nach perfekt in die neuen Editionen für die Nintendo Switch integriert. Im Folgenden sehen wir uns alle Änderungen gegenüber der Vorlage „Pokémon Gelb“ an.

Neuerungen seit Rot/Blau/Gelb

Wilde Pokémon sind Freunde – kein Futter!

Das Gameplay hat einen deutlichen Wandel vollzogen. Während man in den altbewährten Pokémon Titel noch gegen wilde Pokémon kämpfen konnte, so ist dies in den Switch Teilen nicht mehr der Fall. Wilde Pokémon können nur noch in Pokémon Go Manier mit Beeren besänftigt und gefangen werden. Die Zufallskämpfe wurden damit ebenfalls abgeschafft. Endlich könnt ihr selber entscheiden n welches Pokémon ihr eure Zeit investieren wollt.

Quelle: www.pcgames.de

Dies war wohl der größte Kritik-Punkt, als die Spiele präsentiert wurden, aber ganz ehrlich: Humbuk! Das Spielprinzip gliedert sich so angenehm in den Rest der Spielewelt ein, dass es hier wirklich keinen Grund zum Meckern gibt. Ich muss aber zugeben, dass ich auch schon Pokémon Go gefeiert habe. Zwar habe ich die App nur solange gespielt, solange der Hype angehalten hat, aber das Prinzip hat mir schon immer zugesagt.

Der Name ist Programm – Pikachu und Evoli als Starter

Bereits in Pokémon Gelb lief uns unser Starter-Pokémon Pikachu hinterher und erfreute uns mit ein paar wenigen Emotionen. In Let’s Go wurde dieses Feature beibehalten aber um 200% verbessert.

Je nachdem für welche Edition ihr euch entscheidet, startet ihr entweder mit Pikachu oder Evoli. Während Pikachu auf eurer Reise auf eurer Schulter verweilt, macht Evoli es sich auf eurem Kopf bequem. Selbst wenn ihr euren Starter aus dem Pokémonteam entfernt, bleibt er dort sitzen. Das hat auch damit zu tun, dass Pikachu und Evoli nun die Aufgabe der Spezialattacken übernehmen. Vorher konntet ihr beliebigen Pokémon die VMs wie Zerschneider, Surfer und Stärke beibringen, um Hindernisse in der Pokémonwelt aus dem Weg zu räumen. Diese sind nun nicht mehr nötig, da euer Starter Pokémon aus Liebe zu euch neue Fähigkeiten erlangt, um euch eure Reise zu erleichtern.

Ihr fühlt euch noch nicht verbunden genug? Kein Problem. Denn in Pokémon Let’s Go könnt ihr euch und euer Pokémon im Partner-Look kleiden. All zu viel Auswahl besteht zwar nicht, die angebotenen Klamotten sind aber trotzdem schick und können beliebig kombiniert werden.
Außerdem könnt ihr darüber hinaus eurem Starter noch eine fesche Frisur verpassen. Das sorgt, zusammen mit dem anpassbaren Aussehen eurer Spielfiguren, für einen gewissen Grad Individualität.

Was mir allerdings deutlich missfallen hat, ist die Tatsache, dass eure Starter nicht entwickelt werden können. Das war zwar schon in Pokémon Gelb der Fall, aber wie geil wäre es bitte mit einem Blitza durch die Gegend zu laufen und dieses einzukleiden!?!?!?!?

Quelle: pastemagazine.com

Ein Partner ist nicht genug

Nicht nur euer Partner-Pokémon ist allzeit bereit. Ihr könnt zusätzlich noch ein weiteres Pokémon aus dem Ball lassen, welches entweder hinter euch her läuft oder als Transportmittel (fliegend oder laufend) dient.

Leider gibt es immer wieder Momente, wo das Pokémon in seinem Ball verschwindet. Bspw. wenn ihr aprupt die Richtung ändert. Nintendo hatte scheinbar keine Lust eine Umdreh-Animation für die einzelnen Pokémon zu animieren. Irgendwo verständlich, trotzdem schade. Gerade bei den Pokémon, auf denen ihr reiten könnt – wie z.B. Arkani oder Tauross, nimmt das den Spaß, weil ihr in eurem Flow immer wieder unterbrochen werdet.

Quelle: imore.com

„Liebe, Harry. Liebe.“

Wenn ihr gut mit euren Pokémon umgeht, werdet ihr ein paar Überraschungen im Kampf erleben. Beispielsweise landen glückliche Pokémon öfter einen Volltreffer, weichen häufiger Attacken aus oder überleben knapp mit einem KP. Nettes Feature, was mich schon des öfteren vor einem KO bewahrt hat.

Alola ʻoe, alola ʻoe…

151 Pokémon sind euch nicht genug? Kein Problem! Neben den bekannten Pokémon der ersten Generation findet ihr außerdem ein paar Alola Formen aus den Editionen Sonne und Mond, die ihr im Tausch eines First Gen Pokémons eintauschen könnt.

Bodenlose Tasche jetzt auch für Pokémon

Wer die alten Editionen blau, rot und gelb gespielt hat, erinnert sich bestimmt noch an Bill den Pokémon Experten. Dieser war in den bisherigen Editionen für das Pokémon Lagerungssystem zuständig, mit dem ihr eure gefangenen Pokémon auf einem PC zwischenlagern konntet. Dieses System wurde nun erweitert, sodass ihr eure Lieblinge immer und überall in eurer Pokémontasche mitnehmen könnt. Statt also erst den Weg zum Pokémon Center anzutreten, müsst ihr nur eure Tasche öffnen und könnt so munter euer Team aus sechs Pocket Monstern zusammenstellen.

Generell eine coole Idee, allerdings zerstört es etwas die Magie und die Spannung der Pokémon Liga. Denn so könnt ihr nach jedem Mitglied der Top Vier einfach euer Team an den jeweiligen Pokémon Typ des Gegners anpassen.

Apropos Pokémon Liga…

Nachdem ihr die Top Vier und euren Rivalen, der übrigens ebenfalls überarbeitet wurde, besiegt habt, erwartet euch eine neue Herausforderung. In der gesamten Kanto Region sind nun Trainer aufgetaucht, die Experten auf ihrem Gebiet sind. Das heißt sie fordern euch lediglich mit einem einzigen Pokémon heraus und ihr könnt auch nur mit diesem Pokémon in den Kampf ziehen. Ich nenne mich mittlerweile Blitza-Experte und kann nun glücklich sterben.

Quelle: nintendobserver.com

Zudem könnt ihr mit euren fliegenden Pokémon nun noch mehr Orte erreichen und quasi überall hinfliegen.

„Das Internet ist für uns alle Neuland.“

Natürlich gab es damals im Jahr 2000 noch keine Möglichkeit das Internet zum Tauschen oder Kämpfen zu nutzen. Das wurde in Pokémon Let’s Go nun nachgeholt. Ein Linkkabel wie in alten Zeiten ist also nicht mehr nötig, um mit Freunden in den Kampf zu ziehen oder eure Lieblinge unter einander zu tauschen.

Zudem wurde auch das bereits bekannte Feature „Geheimgeschehen“ eingebaut. Damit könnt ihr exklusive Geschenke von Nintendo empfangen. Wie bspw. das Pokémon Mew, welches sich im neuen Pokémon Controller finden lässt. Aber dazu später mehr.

Couch-Co-Op – endlich zu zweit unterwegs

Bereits am Anfang des Spiels könnt ihr euch zu zweit in die Kanto Region wagen. Dazu einfach ein zweites Joycon anschließen und schon erscheint eine zweite Trainerfigur auf eurem Bildschirm. Coolerweise kann auch eurem zweiten Spieler ein Pokémon hinterher laufen. Also echtes Trainerfeeling für zwei Spieler!

Allerdings wagt ihr euch so auch immer mit zwei Pokémon in die Einzelkämpfe. Also ziemlich overpowered für den Anfang. Ich stelle es mir aber andererseits auch cool vor zu zweit in die Pokémon Liga zu starten.

Der Pokéball Controller

Das meiner Meinung nach gelungenste Feature ist eindeutig der neue Controller. In Form eines Pokéballs kommt der Controller daher und ist in etwa so groß wie eine Mandarine. Der Ball liegt gut in der Hand, rutscht nicht großartig herum, kann aber trotzdem mit einem entsprechenden Band gesichert werden.

Mit dem Joystick könnt ihr eure Figur durch die Welt und den Cursor durch die Menüs jagen. Ein Klick auf den Joystick aktiviert die A Taste als Bestätigung. Der Knopf auf der Oberseite des Balls dient als B Taste und ist somit zum Abbrechen vorgesehen. Wenn ihr den Ball schüttelt wird die Y Taste aktiviert. Das funktioniert aber leider nicht in allen Fällen zuverlässich.

Als Ladekabel dient, wie auch bei der Switch, ein USB-C Kabel. Ein sehr kurzes ist bereits beim Lieferumfang dabei – top! Bisher ist der Controller leider in keinen anderen Spielen verwendbar.

Quelle: www.pokemon.com

Der Controller sieht aber nicht nur schick aus, sondern bietet einige Funktionen, um den Spielspaß zu erhöhen. Befindet ihr euch in einem Trainerkampf, wird jede Attacke von einem Sound begleitet, der direkt aus dem Ball kommt. Auf Dauer für den ein oder anderen vielleicht nervig, trotzdem aber ganz nett.

Das wohl coolste ist aber der Fang eines Pocket Monsters. Wie bereits oben erwähnt wurde in Pokémon Let’s Go der Fokus auf das Fangen der Pokémon gelegt. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Pokémoball hier mitzieht. Mit einer Wurfbewegung (bitte den Ball dabei nicht loslassen) Richtung Pokémon, wirft auch eure Spielfigur im Spiel einen Ball. Wenn ihr das begehrte Objekt trefft, wandert das Pokémon in den virtuellen Ball. Nun kommt der Controller ins Spiel. In bekannter Pokémon-Manier wackelt der virtuelle Ball auf eurem Bildschirm hin und her. Dies wird durch die Vibration des Pokéball-Controllers unterstützt. Zudem leuchtet die Joystick-Spitze orange. Hört das Pokémon auf sich zu wehren, ist der Fang geglückt, der Joystick ändert die Farbe zu grün und es ertönt ein kurzer Sound. Genial! Dieses Feature allein hat dafür gesorgt, dass ich ungelogen fast jedes Pokémon gefangen habe, was mir über den Weg gelaufen ist. Also auch das tausendste Taubsi.

Wer den Controller auch außerhalb der Spielzeit mitnehmen will, kann außerdem sein Lieblingspokémon in den Ball übertragen. Anhand des Pokémontyps (bspw. gelb für den Elektro Typ bei Pikachu) leuchtet dann die Joystick-Spitze und es wird der individuelle Ruf-Sound des Pokémons abgespielt. Wie von älterem Pokémon-Merchandise bekannt, lässt sich das Pokémon anhand der gelaufenen Schritte so trainieren.

Überraschungsgeschenk: Wenn ihr den Pokéball erwerbt, befindet sich das süße Pokémon Mew im Inneren. Dieses könnt ihr über die Geheimgeschehen Funktion im Spiel herunterladen.

Wirklich das aller einzige Manko an diesem fantastischen neuen Controller ist die Tatsache, dass man den Ball nicht stumm stellen kann. Ansonsten ein Muss für jeden Fan!

95Score
Fazit

Hand aufs Herz: Wir waren alle skeptisch was die Fusion zwischen den typischen Pokémon Spielen und Pokémon Go anging. Aber Nintendo hat hier wieder einmal bewiesen, dass altbekannte Titel mit ein paar Innovationen jung und alt begeistern können. Vielleicht sollte uns das eine Lehre sein, für neue Spielmechaniken offener zu sein. Pokémon Lets Go Pikachu gehört meiner Meinung nach zu den aktuellen Top Switch Spielen und sollte in jeder Sammlung zu finden sein – natürlich zusammen mit dem vorgestellten Pokéball Controller.


Lässt sich nur hoffen, dass Nintendo mit den weiteren Generationen Gold, Silber, Rubin, Saphir… nachlegt.


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