Epic Games Store – Ist das noch Wettbewerb?

Epic Games ist seit dem Release von Fortnite: Battle Royale immer öfter in die Nachrichten und aus der Gaming-Szene nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile liegt das aber weniger am erfolgreichen Shooter, sondern am hauseigenen Onlineshop, der es auf immer mehr Computer dieser Welt schafft. Wie? Mit aggressiven Taktiken, die nicht die einzige Kontroverse hinter der Software sind.

Doch wo kommt Epic Games her und wie hat sich dieses ehemalige Entwicklerstudio zu einem der führenden Akteure auf dem Videospielmarkt aufgeschwungen? Denn um das aktuelle Vorgehen zu verstehen, müssen wir erst verstehen wer überhaupt für die Entscheidungen verantwortlich ist.

Von Rockville bis Tilted Towers – Eine Erfolgsgeschichte

Gegründet wurde Epic Games (damals noch Epic MegaGames) 1991 von Tim Sweeney in Rockville, Maryland. Als kleines Studio ohne großen Publisher im Rücken hat man sich an der Entwicklung von Sharewarespielen versucht. Sharewarespiele konnte man kostenfrei erhalten und kopieren so oft man wollte, aber wurde nach einer meist 30 tägigen Testphase gebeten das Produkt käuflich zu erwerben. Ja, so wie die unlimitierte WinRar-Testversion, die ein Großteil von euch nutzt! (Schande auf euer Haupt.)

Mit „Jazz Jackrabbit“ und „Jill of the Jungle“ war man auch direkt erfolgreich.

Erfolg hieß in der Videospiel-Branche von damals: Glückwunsch! Ihr könnt vielleicht noch ein weiteres Spiel entwickeln, bevor euch die Banken auf den Kopf steigen.

Der Grundstein war gelegt, aber die derart lange und erfolgreiche Firmengeschichte hat erst ein ganz besonderes Stück Software gesichert: „Unreal“ erschien am 22. Mai 1998 und der Ego-Shooter erfreute sich auch aufgrund der damals extrem guten Grafik großer Beliebtheit.

Neben den direkten Nachfolgern, die in den Folgejahren erschienen, war es aber vor allem das Spinoff „Unreal Tournament“ dass Epic nach vorne katapultiert hat. Der kompetitive Multiplayer-Shooter wurde sofort von der damaligen Szene angenommen, weil diese Art von schnellen skillbasierten Shootern mit Quake gerade ohnehin auf dem Höhepunkt war. Mit der eigens geschaffenen Unreal Engine stellt Epic übrigens seitdem auch eine der führenden Grafik-Engines, die diverse andere Entwickler nutzen.

Als wäre eine Marke mit weltweitem Erfolg nicht genug, legte Epic Games am 07. November 2006 mit dem actiongeladenen Third-Person Shooter „Gears of War“ nach. Dessen deckungsbasiertes System finden wir auch heute noch in populären Spielen und die Fans wollen immer noch mehr Abenteuer mit Marcus Fenix & Co. erleben. Auch wenn Teil 4 bereits nicht mehr von Epic Games stammt, da die Rechte 2014 an Microsoft verkauft wurden.

So ein Erfolg bleibt natürlich nicht unbemerkt, sodass im Juni 2012 das chinesische Unternehmen Tencent im Blickfeld auftauchte und kurzerhand 48,4% Anteile von Epic Games erwarb. Wer nicht weiß wer Tencent ist, dem empfehle ich eine kurze Recherche, oder wünscht ihr euch dazu einen eigenen Artikel? Schreibt es mir gerne in die Kommentare! Interessant für jetzt ist zumindest noch, dass das Unternehmen 2011 auch bereits Anteile an Riot Games (League of Legends) und die Firma 2016 komplett übernommen hat.

Wie genau Epic Games diesen Wechsel in der Entscheidungsfindung verarbeitet hat wissen wir nicht, aber im Lauf von 5 Jahren verloren Projekte wie ein neues Unreal Tournament immer mehr an Bedeutung. Anstatt dort Fortschritte zu machen erschien am 25. Juli 2017 Fortnite: Battle Royale.

Und der in Tilted Towers (ein Ort auf der Fortnite-Map) erwirtschafte Gewinn ließ ganz neue Geschäftspraktiken gebären.

Epic Games Store – Ein Skelett von Launcher

Neue und überaus aggressive Praktiken muss man dazu sagen. Wie man zum Beispiel mit den eigenen Mitarbeitern umgegangen ist, das könnt ihr in diesem kleinen Artikel erfahren, denn hier ist jetzt vor allem das Vorgehen hinter dem „Epic Games Store“ Thema.

Am 6. Dezember 2018, Fortnite hat derweil bereits „Players Unknown Battleground“ (PUBG) vom Thron der Battle-Royale Spiele gestoßen, erscheint der Epic Games Store und beginnt seinen Kampf gegen den König des digitalen Videospielvertriebs: Steam.

Eine Entscheidung die man zum damaligen Zeitpunkt nur begrüßen kann, selbst wenn es uns Gamer auf Dauer stört nach Origin, Uplay, und Konsorten noch einen weiteren Launcher installieren zu müssen. Nüchtern betrachtet ist Epic Games nur ein weiterer Konkurrent in diesem Wettbewerb. Wettbewerb ist auf dem freien Markt übrigens etwas, dass dem Konsumenten in der Regel zum Vorteil gereicht. Denn um der Konkurrenz Herr zu werden müssen die Unternehmen sich entwickeln: Sei es in ihrer Preisstruktur, ihrem Angebot, oder ihren Serviceleistungen.

Nehmen wir mal „Good Old Games“ (GOG) als Beispiel:

Um sich auf dem Markt zu etablieren hat man bewusst versucht etwas zu bieten was andere Plattformen zu dem Zeitpunkt nicht getan haben. Alte Spiele so fixen, dass sie auch auf neuen Computern funktionieren.  DRM-freie Spiele anbieten. Anstatt eines Launchers kann man auch nur eine Setup-Datei runterladen. Man hat sich eine Nische geschaffen und Leistungen angeboten, die kein anderer anbietet. Leistungen von denen wir, die Spieler, profitieren.

Diverse Basisfunktionen müssen erst noch entwickelt werden: Die Store Roadmap

Wie hat Epic Games den Wettbewerb angenommen?

Man hat sich erst mal für die Entwickler und Publisher selbst attraktiv gemacht, denn während Steam sich zu dem Zeitpunkt 30% des Verkaufserlöses sichert, nimmt sich Epic nur 12%. Für den Spieler selbst war da nur eine überschaubare Auswahl an Spielen und ein Versprechen, dass man DRM-Maßnahmen nicht unterstützen wird. Die Software beziehungsweise der Store erscheint nur als Skelett, dem typische Funktionen wie ein Einkaufswagen und eine Suchfunktion einfach fehlen.

Diese und andere Funktionen würden ihren Weg schon noch später in die Software finden. (siehe Roadmap)

Wie stellt sich Epic Games dem Wettbewerb?

Als wenn diese Frechheit von Launcher noch nicht Fingerzeig genug war, dann hat sich spätestens bei der Kontroverse um das langerwartete „Metro Exodus“ von Publisher Deep Silver gezeigt wie Epic Games den Wettbewerb aufnimmt.

Der 28. Januar 2019 entfesselt einen riesigen Shitstorm herauf als Publisher Deep Silver und Epic Games kurz vor Release des o.g Spiels verkünden: „Es wird exklusiv auf dem Epic Store erscheinen.“ Exklusivtitel? okay, das kennen wir doch zum Beispiel von EA mit Origin. Warum war dieses Vorgehen dann hier besonders schlimm? Weil das Spiel bereits zuvor auf Steam als Vorverkauf angeboten wurde, gekauft wurde, und die Konsumenten sich zurecht betrogen gefühlt haben.

Am 3. April 2019 wiederholt sich das Ganze (Shitstorm inklusive) mit „Borderlands 3“, dass ebenfalls als  sogenannter „timed Exklusivtitel“ für den Epic Games Store erscheinen wird. Für andere Plattform erscheint das Spiel erst im April 2020. Eine gefühlte Ewigkeit später.

Die neuste Errungenschaft ist seit dem 01. Mai 2019 das Entwicklerstudio Psyonix, die das beliebte „Rocket League“ entwickelt haben. Bis Ende 2019 soll dieses zwar weiterhin unangetastet auf Steam und anderen Plattformen unterstützt werden, aber auf lange Sicht „soll“ es den Epic Store bereichern. Einen klaren Plan gibt es noch nicht, aber man ist mittlerweile aus Gewohnheit doch eher pessismistisch, oder? Mehr zu der Übernahme könnt ihr hier bei Polygon nachlesen.

Auch Psyonix, der Entwickler von Rocket League, kann Epic nicht widerstehen.

Neben diesen Exklusivtitel hat man kontinuerlich beliebte Spiele gekauft und an sogenannten „freien Wochenenden“ für lau angeboten. Einmal der Bibliothek hinzugefügt „gehört“ es dir. Kein Haken. Da man „einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut“, habe auch ich mir den Epic Store heruntergeladen als „Subnautica“ dort umsonst angeboten wurde. Ich musste es geradezu.

Der Launcher selbst hat sich in der Zeit kaum verändert, der gebotene Service auch nicht.

Gekaufter Erfolg – Der Konsument im Nachteil

Epic Games hat den Wettbewerb nicht angenommen, sondern umgeht ihn mit schier unaufhaltsamer Finanzkraft. Und das sollte jedem von uns Sorgenfalten auf die Stirn treiben, denn wie bereits erwähnt: Wettbewerb ist für den Konsumenten, in diesem Fall für uns Gamer, von Vorteil.

Das was hier betrieben wird ist nur das komplette Gegenteil und gereicht uns zum Nachteil.

Was können wir dagegen tun?

Deinstalliert den Epic Store, kauft die Spiele nicht auf dieser Plattform, lasst euch nicht zur Geisel machen. Denn Einfluss auf die großen Unternehmen hat der Konsument nur mit seiner Geldbörse.

Eine Geldbörse in der nicht nur Epic seine Finger schon zu tief drin hat.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Social Share Buttons and Icons powered by Ultimatelysocial